Gebäude

Das Frühmessnerhaus

Vom Wohnhaus zum Museum

Am Walpotplatz, in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche St. Martin, steht eines der historischen Gebäude Bassenheims. Das Gebäude stammt aus der Epoche des Barock, deren Architektur und Gestaltungsformen bis heute das historische Erscheinungsbild rund um den Walpotplatz mitprägen.

Das Frühmessnerhaus wurde 1753 von Franz Ludwig Kasimir Graf Waldbott von Bassenheim als Wohnhaus für den Frühmessner, auch Frühmessherr genannt, der Pfarrei St. Martin errichtet. An den Erbauer erinnert bis heute das farbig gefasste, schmiedeeiserne Wappen der Grafen von Bassenheim, das seit 1986 am Treppengeländer vor dem Haus angebracht ist.
Ein Frühmessner war neben dem katholischen Pfarrer der zweite Priester der Kirchengemeinde. In Bassenheim gab es dieses Amt bereits seit 1557, ermöglicht durch eine Stiftung der Grafen von Bassenheim, die auch für seinen Unterhalt aufkamen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, regelmäßig die Frühmesse vor Arbeitsbeginn der damaligen Dorfbevölkerung zu zelebrieren. Darüber hinaus hielt er wöchentlich eine Predigt sowie eine Messe am Hochaltar der Pfarrkirche und entlastete damit den Pfarrer. Zugleich war er als Burgkaplan tätig und hatte dem Burgherrn zur Verfügung zu stehen, wenn dieser ihn rief.

1813 – 1840 wurde die erste allgemeine Volksschule Bassenheims in das Frühmessnerhaus verlegt. Nach 1840 ging das Gebäude in Privatbesitz über. 1986 erwarb die Gemeinde das Haus und nutzte es bis 1995 als Rathaus.

Die Sanierungsphasen des Frühmessnerhauses

Im Jahr 1986 wurde das damalige Rathaus denkmalgerecht restauriert. Bei den Arbeiten legte der Restaurator Peter Laros mehrere historische Farbschichten frei. Unter insgesamt zehn Anstrichen kam eine barocke Fassadenmalerei aus dem 18. Jahrhundert zum Vorschein, die anschließend erhalten und rekonstruiert wurde. Auch Fenster, Treppe und Geländer sollten nach historischem Vorbild erneuert werden, ohne den schlichten Charakter des ursprünglichen Bürgerhauses zu verändern.

Unter Anleitung des Landesamtes für Denkmalpflege wurde das ehemalige Frühmessnerhaus in den Jahren 2002 und 2003 mit erheblichem finanziellem Aufwand (rund 200.000 €) saniert und beherbergt heute das Martins-Museum.

Bei den Sanierungsarbeiten wurde die historische Fassadengestaltung freigelegt und rekonstruiert. Die Kosten beliefen sich auf rund 65.000 Mark.

Der preußisch-kaiserliche Briefkasten

Bei der Neugestaltung des Bassenheimer Walpot-Platzes wurden zahlreiche Gebäude rund um den Brunnen renoviert. Zu diesem historischen Ensemble gehört auch das ehemalige Frühmessnerhaus, dessen Erscheinungsbild durch einen außergewöhnlichen Briefkasten ergänzt wurde.

Die Idee dazu hatte der damalige Bürgermeister Theobald Groß. Im von der Deutschen Bundespost herausgegebenen „Postmagazin“ war er auf einen Bericht über Nachbildungen eines preußisch-kaiserlichen Briefkastens aufmerksam geworden. Insgesamt wurden lediglich 50 Exemplare dieses historischen Modells aus Gusseisen hergestellt. Sie waren für Gemeinden und Städte vorgesehen, die über geschichtlich bedeutende Gebäude oder Plätze verfügten.

Der blau-goldene Briefkasten wiegt 91 Kilogramm, ist 47 Zentimeter hoch, 50 Zentimeter breit und 39 Zentimeter tief. Seine Seiten sind mit aufwendigen Ornamenten verziert. Der Kaufpreis betrug damals 1.000 Mark.

Aufgrund der großen Nachfrage waren die 50 Exemplare bereits vergeben, als der für Bassenheim bestellte Briefkasten ausgeliefert werden sollte. Da die Gemeinde den Kaufpreis jedoch schon bezahlt hatte, bestand sie auf der Lieferung. Nach längerem Hin und Her konnte schließlich doch noch ein Exemplar bereitgestellt werden.

Seit dem 23.03.1988 ist der im Jugendstil gestaltete Briefkasten aus dem Jahr 1896 am ehemaligen Frühmessnerhaus angebracht. Geleert wird dieser noch heute von der Post, deren Eigentum er auch weiterhin bleibt.

Die gusseiserne Nachbildung des preußische-kaiserlichen Briefkastens aus dem Jahre 1896 befindet sich an der Fassade des Frühmessnerhauses.

  • Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChmesser, 28.04.2016
  • Titelbild von onnola, lizenziert unter CC BY-SA 2.0, flicker.com
  • Rhein-Zeitung: „Harmonisches Bild alter Tradition“, Nr. 14, Donnerstag, 7. April 1988.
  • Rhein-Zeitung: „Ein neues Gewand im alten Stil“, Ausgabe vom 4. Juli 1986.
  • Rhein-Zeitung: „Rarität schluckt Post aus Bassenheim“, Ausgabe vom 24. März 1988.
  • Groß, Theobald: „Martinus-Museum in einem ‚Haus der Geschichte‘“. In: Kreisverwaltung Mayen-Koblenz (Hrsg.): Heimatbuch 2004. Mayen-Koblenz 2004, S. 174–176.